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Es ist unwahrscheinlich, dass neue Virusvarianten die Impfwirkung gefährden

Bereiten Sie sich auf eine Impfung vor. In mehreren Ländern wurde inzwischen eine Variante des ursprünglichen Coronavirus nachgewiesen. Foto: Kurt Desplenter / BELGA / dpa (Bild: dpa)
(Foto: Kurt Desplenter / BELGA / dpa)

Berlin – Ein Geist mit dem kryptischen Namen B.1.1.7 ist hier. Diese Variante des Coronavirus wurde inzwischen in mehreren Ländern nachgewiesen, unter anderem mehrfach in Deutschland. So wie es aussieht, ist es wahrscheinlich ansteckender als die vorherigen Formen.

Es wäre noch schlimmer, wenn Impfstoffe gegen B.1.1.7 und ähnliche Varianten wie 501Y.V2, die kürzlich erstmals in Südafrika nachgewiesen wurden, weniger oder wirksamer wären. Dies ist jedoch nicht wahrscheinlich, wie eine aktuelle Analyse bestätigt.

Infolgedessen ist zumindest der Impfstoff von Biontech / Pfizer auch gegen einige Varianten des Coronavirus wirksam. Die Antikörper im Blut von 20 geimpften Personen wurden untersucht, wie die Studie des amerikanischen Pharmaunternehmens Pfizer und der University of Texas zeigt, die noch nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht und von überprüft wurde unabhängige Experten. Demnach wird der Impfstoff wahrscheinlich auch in den modifizierten Formen eine Wirksamkeit von etwa 95% erreichen.

Die Variante B.1.1.7 wurde ursprünglich in Großbritannien nachgewiesen. Ähnlich wie bei der in Südafrika vorkommenden Variante 501Y.V2 ist sie durch Veränderungen des Erbguts gekennzeichnet, die zu mehreren Veränderungen des sogenannten Peak-Proteins auf der Oberfläche führen. Damit bindet sich das Virus an die Körperzellen, um in diese einzudringen. Das Spike-Protein ist auch das indirekte Ziel von RNA-Impfstoffen, die in Deutschland von Biontech / Pfizer und Moderna zugelassen wurden.

Die Wirkstoffe stimulieren die Zellen im Körper, um dieses Protein zu produzieren. Dies lässt den Körper glauben, dass es sich um eine Infektion handelt, dass das Immunsystem aktiviert ist und unter anderem Antikörper gegen das Protein bildet. Im Falle einer nachfolgenden Infektion sollten sie helfen, das Virus schnell abzuwehren, indem sie an das Spike-Protein binden und es dadurch als „feindlich“ für die Verteidigung markieren.

Theoretisch wäre es durchaus denkbar, dass Veränderungen im Spike-Protein von Sars-CoV-2 zu Antikörpern führen, die nicht mehr binden können. Der Impfstoff wäre dann unwirksam. Bisher gibt es jedoch keine Beweise dafür. Die Forscher hoffen, dass dies auch so bleibt. Weil die Immunantwort einer geimpften Person nicht so leicht zu umgehen ist.

Einer der Gründe dafür ist, dass Menschen nach einer Koronaimpfung nicht nur eine Art von Schutzantikörper gegen das Spike-Protein produzieren, sondern auch viele verschiedene Antikörper, wie der Berliner Virologe Christian Drosten in erklärte der NDR-Podcast. Experten sprechen von polyklonalen Antikörpern. Diese Mischung von Antikörpern kann eine große Anzahl von Bindungsstellen auf dem Spike-Protein angreifen. Daher sollten einzelne Modifikationen dieses Proteins zunächst wenig Wirkung haben.

Vieles deutet darauf hin, dass „die bisherigen Änderungen bei weitem nicht so groß sind, dass die jetzt eintreffenden Impfstoffe nicht funktionieren“, sagt Hajo Zeeb, Leiter der Präventions- und Evaluierungsabteilung am Leibniz-Institut für Präventivforschung und Epidemiologie in Bremen.

Außerdem gibt es Grenzen, wie stark sich das Spike-Protein verändern kann, sagte Adam Lauring, Experte für die Evolution von RNA-Viren an der American University of Michigan, kürzlich in einem Podcast. „Er hat nicht unbegrenzt viele Möglichkeiten, Antikörpern durch Veränderungen zu entkommen, weil er seinen Job noch machen muss.“ Dies beinhaltet die Anhaftung an die Körperzellen und das Eindringen des Virus.

Drosten betont einen anderen Aspekt. „Bei Immunität geht es nicht nur um Antikörper.“ Sogenannte T-Zellen, die ebenfalls Teil des menschlichen Immunsystems sind, haben andere Bindungsstellen als Antikörper. Zu Beginn einer Epidemie sind T-Zell-Bindungsstellen häufig nicht einmal von solchen Mutationen betroffen. Die meisten Impfstoffe riefen auch eine sehr gute Immunität gegen T-Lymphozyten hervor, so Drosten.

Ein Effekt wie der der Grippe – Experten sprechen von genetischer Drift – Drosten erwartet Sars-CoV-2 einige Jahre lang nicht, wenn das Coronavirus endemisch geworden ist. Influenza-Impfstoffe müssen aufgrund von Virenveränderungen immer wieder angepasst werden.

Grundsätzlich ist es bei einer hohen Anzahl von Neuinfektionen wahrscheinlicher, dass Varianten mit für sie günstigen Mutationen auftreten und sich ausbreiten, erklärt Jörg Timm, Direktor des Instituts für Virologie an der Universitätsklinik von Düsseldorf. „Nach Beginn der Impfung kann es auch Varianten geben, gegen die die Impfreaktion keinen ausreichenden Schutz bietet.“ Daher sollten Fälle, in denen eine Infektion trotz Impfung auftritt, sehr sorgfältig untersucht werden.

„Wir werden in Zukunft weitere dieser Varianten sehen“, sagt Isabella Eckerle von der Abteilung für Infektionskrankheiten der Universität Genf. Um sie frühzeitig erkennen zu können, ist es notwendig, das genetische Material des Virus aus Proben weitgehend zu entschlüsseln. Andreas Bergthaler vom Institut für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) weist ebenfalls darauf hin, dass Varianten als „Weckruf“ zu verstehen sind.

Erkennungssysteme sollten europaweit erweitert und koordiniert werden. Aber selbst wenn das Worst-Case-Szenario eintreten sollte und die Corona-Varianten nicht mehr auf vorhandene Impfstoffe reagieren: „Tatsächlich können insbesondere RNA-Impfstoffe relativ einfach technisch modifiziert werden“, erklärt Timm. „Dann müsste geklärt werden, wie die erneute Zulassung eines modifizierten Impfstoffs aussieht.“ Bergthaler betont: „Wir dürfen nicht glauben, dass wir mit den Impfstoffen das Ende des Marathons erreicht haben.“

© dpa-infocom, dpa: 210108-99-942973 / 4

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Baldwin Blomgrens

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