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Preisentwicklung: Landwirte und Handel an einem Tisch NDR.de – Nachrichten

Status: 11.01.2021 22:22

Die Landwirte und die vier größten deutschen Einzelhandelsketten wollen bis Ende März über die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse sprechen. Ein Discounter sagte am Montag, er würde entgegenkommen.

von Oliver Kring und Jörg Jacobsen

Landwirte und Vertreter der vier größten Einzelhandelsketten unterhielten sich am Montag erstmals in Task Forces – allerdings nur online dank Corona. Es sind nicht ein paar Cent mehr für einen Liter Milch oder ein Pfund Butter, sondern das große Ganze. Laut Dirk Andresen, Bundessprecher des Vereins „Land schafft Verbindung Deutschland“, soll sichergestellt werden, dass landwirtschaftliche Produkte langfristig zu fairen Preisen für Erzeuger, Verbraucher und Händler verkauft werden.

In den letzten Monaten haben Landwirte zahlreiche Kampagnen versucht, um den Handel ins Gespräch zu bringen. In Kiel blockierten sie für einige Stunden das Logistikzentrum in Rewe. Es gab ähnliche Kampagnen in anderen Supermarktketten.

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4 min

Landwirte protestieren gegen die Handelspreispolitik. Ulrike Drevenstedt erklärt, warum Landwirte wütend sind, welche Verträge sie haben und wie der Marktanteil von Supermarktketten verteilt wird. 4 min

Die Gespräche finden zunächst bis Ende März statt

Die Landwirte sollten in der Lage sein, ihren Lebensunterhalt dauerhaft von ihrer Arbeit zu verdienen, aber gleichzeitig sollten auch die Verbraucher davon profitieren, sagt Andresen. Zum Beispiel durch die Tatsache, dass sich Hersteller und Einzelhändler auf einheitlich hohe Standards für die Tierhaltung einigen. Wie erwartet liegen noch keine Ergebnisse der Beratungen vor. Denn bis Ende März sind zunächst zweimal wöchentlich Gespräche zwischen Landwirten und Einzelhändlern geplant.

Landwirte verlassen sich auf direkte Diskussionen

Sie würden der Politik nicht mehr vertrauen, sagt Dirk Andresen: „Die Politik hat uns nicht geholfen. Die Politik lässt uns im Regen. 85% des Marktanteils gehören den großen Vier (Edeka, Rewe, Lidl, Aldi, Anmerkung des Herausgebers. Rouge.). Landwirtschaftsminister Klöckner hat uns nicht verteidigt. „Daher gehen die Landwirte im ersten Teil der Verhandlungen direkt zu den vier Einzelhandelsketten.

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Später, in neuen Verhandlungsrunden, werden auch Politiker und Verarbeiter aufgefordert, gemeinsam nachhaltige Strukturen zu besseren Preisen zu entwickeln, sagt Andresen.

Preis: kartellrechtliche Schwierigkeiten

Laut Andresen haben sich viele gefragt, warum Landwirte nicht einfach zu einer Einigung kommen und dem Unternehmen sagen: „Das ist unser Preis“. Aus Wettbewerbsgründen dürfen sie dies jedoch nicht, erklärt Andresen. Verbotene Preisvereinbarungen sind nicht zulässig. Es ist jedoch auch wichtig, die Marktmacht der vier großen Lebensmittelketten zu überprüfen. Aus diesem Grund nimmt auch ein Kartellanwalt an den Verhandlungen teil.

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Ein Schild auf einem Traktorbett "Keine Bauern, kein Essen, keine Zukunft". © North-West Media TV

Rewe, Penny, Lidl und Kaufland waren sich einig, mehr Geld für bestimmte Schweinefleischprodukte zu nehmen. Mehr

Landwirte fordern mehr Transparenz

Um beispielsweise den Verbrauchern, die tatsächlich wie viel mit Milch verdienen, klar zu machen, wollen die Landwirte mehr Transparenz. Viele Milchbauern haben derzeit 15 Cent pro Liter Milch zu wenig. Land Creates Connection ist auch von den Butterpreisen enttäuscht: Der Preis steigt auf dem Weltmarkt – in Deutschland sind die Renditen niedriger, weil die Kontrakte zu einem niedrigeren Kurs gehandelt wurden.

Deutsche Etikette hilft bei der Orientierung

Hersteller und Einzelhändler sind sich bereits in einigen Punkten einig: Sie wollen ein Label für die deutsche Produktion. Dies ist für viele Verbraucher wichtig. Viele Verbraucher möchten wissen, woher die Produkte stammen – dies liegt auch im Interesse des Einzelhändlers. Deshalb glaubt Andresen, dass der Lebensmittelhandel bereits Transparenz beinhaltet.

Milchproduktion: Aldi reagiert

Nur Aldi hat eine konkrete Unterbringung bis Montagabend angekündigt. Das Unternehmen will konventionelle und biologische Milch nur aus der deutschen Inlandsproduktion kaufen. Entsprechend ihren Anforderungen möchten die Landwirte hauptsächlich einheimische Produkte auf dem Markt sehen.

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Darüber hinaus möchte man spätere Diskussionen nicht vorwegnehmen, sagte ein Sprecher von Aldi. Der Discounter möchte langfristige Verträge empfehlen – um der Landwirtschaft mehr Planungssicherheit zu geben, wie das Unternehmen vorstellt.

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Der Eingangsbereich eines Edeka-Marktes.

2 Minuten

Axel Vester bietet viele regionale Produkte an: Eier aus Nindorf, Kartoffeln aus Dithmarschen, Honig aus Koldenbüttel. 2 Minuten

Beispiel eines Kartoffelproduzenten

Eine direkte Zusammenarbeit zwischen einem Kartoffelerzeuger aus Reinsbüttel (Dithmarschen) und einem inhabergeführten Edeka-Markt in Friedrichstadt (Nordfriesland) zeigt, wie faire Preise funktionieren können. Thorsten Hölck aus Dithmarschen und Axel Vester aus Friedrichstadt arbeiten seit 25 Jahren zusammen. „Wir stützen uns bereits auf Marktpreise“, sagt Hölck. „Aber wir haben eine Ebene in den Vereinbarungen, mit denen beide Parteien leben können.“

Arbeit regionaler Produkte

Reinsbüttel-Kartoffeln sind ein Hit bei Axel Vester. Dies sind die Verkaufsschlager, obwohl sie 25% teurer sind als andere Sorten. Der Friedrichstädter Händler sagt: „Die Qualität ist einzigartig, schmeckt gut, es ist eine schöne gelbe Kartoffel.“ Sie können nach Reinsbüttel gehen und sagen: „Schauen Sie sich ‚meine‘ an – dort kommen die Waren her.“

Neben der hohen Nachfrage nach lokalen Kartoffeln verkaufen sich bei Vester auch andere regionale Produkte sehr gut: zum Beispiel Milch von Witzwort, Honig von Koldenbüttel oder Eier von Nindorf. Lebensmittelhändler Vester möchte, dass die Gesellschaft das Essen mehr schätzt. Landwirte wollen faire Preise für alle Beteiligten.

Dieses Thema im Programm:

Zeitschrift von Schleswig-Holstein | 11/01/2021 | 19:30 Uhr

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Mallory Glasg

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