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Schmelzendes arktisches Eis: „Diese Schlacht ist verloren“

Das Eis schmilzt. Und das schon lange. Es gibt kaum ein besseres Beispiel als die Arktis, um die Auswirkungen des Klimawandels auf den Planeten aufzuzeigen.

Christoph Seidler, DER SPIEGEL:
„Die Arktis erwärmt sich seit ungefähr 30 Jahren, sagen wir mehr oder weniger doppelt so schnell wie der Rest des Planeten.“

Dieser Anstieg hatte in den letzten zehn Jahren dramatische Folgen. Und dieses Jahr ist die Entwicklung besonders extrem. Es ist ganz normal, dass das arktische Eis im Sommer zurückgeht. Es passiert jedes Jahr. So sah dieser Prozess jedoch in den 1980er Jahren aus, und so in den letzten Jahren. Es wird deutlich, dass im Spätsommer jetzt viel weniger Eis übrig ist als vor 30 Jahren. Und dieses Jahr war so wenig wie nie zuvor. Am 15. September wurden 3,74 Millionen Quadratkilometer gemessen. Zum Vergleich: Die rote Linie zeigt das durchschnittliche Minimum zwischen 1981 und 2010.

Dies ist erst das zweite Mal, dass die Eiskappe auf weniger als 4 Millionen Quadratkilometer angewachsen ist. Erst 2012 war noch weniger Eis übrig, als es nur noch 3,39 Millionen Quadratkilometer waren.

Aber warum ist es dieses Jahr so ​​extrem?

Christoph Seidler, DER SPIEGEL:
„Es passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Das Eis schmolz sozusagen gleichzeitig von oben und unten. Wir hatten oben mehrere Hitzewellen in Anführungszeichen. Das haben wir auch gesehen Sibirien zum Beispiel, das zu diesen großen Bränden beigetragen hat. Gleichzeitig ist es so: Wenn das Eis schmilzt, ist diese weiße reflektierende Oberfläche auf dem Ozean verschwunden. Dann gibt es etwas, das dunkel ist. Dann wird die einfallende Sonnenstrahlung nicht mehr reflektiert. Dann erwärmt sich das Wasser weiter. Dann kann es heiß werden und von unten schmelzen. „

Der genaue Schweregrad der Entwicklung in einem Jahr hängt auch vom Wetter ab. In diesem Jahr trennte beispielsweise ein Sturm in der kanadischen Arktis die Eisschollen, die dann schneller schmolzen. Aber auch ohne neue Rekorde ist der dauerhafte Rückgang seit langem sichtbar.

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Christoph Seidler, DER SPIEGEL:
„Die 14 Jahre mit der geringsten Eismenge, die wir sozusagen seit Beginn der Satellitenmessungen Ende der 1970er Jahre haben, waren die letzten 14 Kalenderjahre. Im Prinzip ist, wie die Forscher sagen, die gesamte Region jetzt in einem neuen Klimaregime angekommen. Dies bedeutet, dass diese Wärme dort drin ist und nicht ausgehen wird. Und selbst in einem sehr kalten Winter würde sich das Eis im Zweifelsfall nicht so weit ausdehnen wie etwa Mitte des 20. Jahrhunderts. „“

Eine der Folgen des Klimawandels ist der globale Meeresspiegel. Der Prozess des Schmelzens des Meereises ändert dies jedoch nicht. Denn das Eis ruht nicht auf einer Landmasse, sondern ist bereits Teil des Meeres.

Christoph Seidler, DER SPIEGEL:
„Es ist wie mit den Eiswürfeln im Cola-Glas, mit den Eiswürfeln. Wenn sie schmelzen, läuft das Cola-Glas auch nicht über. Und das ist auch hier so.“

Es unterscheidet sich zum Beispiel von den Gletschern Grönlands, wo sich das arktische Kontinentaleis befindet. Wenn es schmilzt und ins Meer rutscht, erhöht es den Meeresspiegel. Noch vor wenigen Wochen brach eine 113 Quadratkilometer große Eiskappe vom größten verbliebenen Gletscher Grönlands ab. Zuvor waren im Laufe der Jahre immer mehr Risse aufgetreten.

Die Antarktis rund um den Südpol spielt eine noch größere Rolle in Bezug auf den Meeresspiegel, da sie auf einer sehr großen Landmasse basiert. Es gibt hier also viel mehr kontinentales Eis, das ins Meer fließt, wenn es schmilzt.

Das schmelzende Meereis hat aber auch schwerwiegende Folgen. Erstens, weil die Erwärmung der Ozeane direkt zur globalen Erwärmung beiträgt. Darüber hinaus stört die Entwicklung auch die arktische Tierwelt.

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Christoph Seidler, DER SPIEGEL:
„Plötzlich taucht ein neuer Ozean vor unseren Augen auf. Dies bedeutet, dass sich alle dort existierenden Ökosysteme verändern. Sehr klassisch: Der Eisbär kann ab dem Frühjahr nicht mehr jagen oder hat Schwierigkeiten, weil Die Fische ziehen in Gebiete weiter und weiter nach Norden, in die sie in den Sommermonaten noch nicht einmal gegangen sind. jetzt sofort. „

Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Aussichten für die kommenden Jahre sind eher fatal:

Christoph Seidler, DER SPIEGEL:
„Es gab immer Vorhersagen darüber, wann der Nordpol im Sommer eisfrei sein könnte. Und eines ist klar: Wir gehen sozusagen in diese Richtung. Wir werden sehen, ob es Ende 2039 oder 2042 sein wird. Aber es ist auf lange Sicht rückläufig. Wir sind jetzt weit unter den langfristigen Trends und wir gehen sozusagen auch den Trend zurück. Und es ist ein Prozess. Es würde sehr, sehr, sehr, sehr harte Arbeit erfordern, um dem arktischen Meereis eine Chance für die Zukunft zu geben. Ich sehe es nicht. Im Prinzip ist es ein Schlachtfeld, auf dem die Schlacht im Prinzip bereits ausgetragen und verloren ist. Das heißt aber nicht, dass wir uns um dieses Problem keine Sorgen machen müssen. Es ist natürlich Die Menge an CO2, die von der Menschheit ausgestoßen wird, ist auch wichtig für die weitere Entwicklung der Arktis. Das arktische Eis hat im Sommer sozusagen sehr, sehr schlechte mittelfristige Charts. „“

Mallory Glasg

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